Von visuellen Fluchten und visionären Erscheinungen

 

 

In Zeiten von Pandemien und Klimakatastrophen, einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen und weltweiten Fluchtbewegungen scheinen vorausschauende Blicke vor allem in dystopische Richtungen zu tendieren.

 

Neben dokumentarisch-kritischen Bestandsaufnahmen sind es jedoch gerade auch hoffnungsvolle Ausblicke und Visionen, die unsere Wahrnehmung konstruktiv erweitern und zum kreativen Austausch mit dem Jetzt anregen sollen.

 

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen dieses Projektkurses des Photocentrums an der VHS Kreuzberg-Friedrichshain haben sich über den Zeitraum eines Jahres den vielfältigen Seiten des Begriffs Utopie angenähert und ihre persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema in fotografische Auslegungen übersetzt. Der Fokus lag dabei auf unseren Vorstellungen von idealen Lebenswelten im Spannungsfeld zwischen Fiktion und Gegenwart.

 

Die entstandenen Arbeiten lösen auf unterschiedlichste Weise einen Teil der Sinnsuche ein, die Menschen seit jeher beschäftigt und vielleicht auch zum Bildermachen antreibt.

 

Visionäre Vorbilder, gefunden oder übersetzt in Alltagsarchitekturen, düstere Rückblicke aus der Zukunft auf die endgültige Vereinnahmung gebauten Lebensraumes durch eine allesfressende Natur, visuelle Fluchten in Traumwelten auf grauem Beton, schemenhafte Erscheinungen zwischenmenschlicher Distanz und behutsame Demaskierungen auf der Suche nach dem wahrhaftigen Ich bieten abwechslungsreiche Perspektiven auf dieses immer aktuelle Thema.

 

Dabei ist es dem Betrachter überlassen, den fotografischen Visionen vielleicht auch Spielerisches abzugewinnen und Schönheit im Unvollendeten zu entdecken, bevor unsere Zukunft zur Gegenwart geworden ist.

Ebba Dangschat, Februar 2021